Was Sie im Internet über sich verraten

Wer sich im Internet aufhält, hinterlässt Spuren. Das ist nichts Neues. Und man muss deswegen auch nicht gleich den Strom abschalten. Als mündiger Internet-Bürger und aktiver Teilnehmer am Informationszeitalter sollte man sich jedoch von Zeit zu Zeit mal wieder bewusst machen, welche Informationen man im Internet verteilt, wenn man sich bei einem Glas Wein von Link zu Link bewegt.

Dann kann man entscheiden, ob von Fall zu Fall vielleicht Gegenmassnahmen angebracht sind. Darüber hinaus ist natürlich etwas grundlegendes Wissen vonnöten, wenn man sich zu aktuellen politischen Diskursen zu Themen wie Vorratsdatenspeicherung oder Telekommunikationsüberwachung eine eigene Meinung bilden möchte.

Dieser Artikel erläutert ein paar Grundlagen vom Browser-Fingerabdruck bis zum Facebook-Button.

Wie sich IP-Adresse und Browser-Infos nutzen lassen

Jede Webseite, die Sie ansteuern, kennt Ihre IP-Adresse und kann daraus ermitteln, von wo Sie kommen (z.B. Ihre Stadt) und wer Ihr Internetprovider ist, also über welchen Anbieter Sie ins Internet gehen.

Der Internetprovider kann die Information speichern, welcher Kunde zu welcher Zeit welche IP-Adresse hat, so lässt sich die Datenspur bei Bedarf bis zum “Hausanschluss” zurückverfolgen (mehr dazu siehe unten).

Ihr Webbrowser verrät ausserdem, welches Betriebssystem (Z.B. Windows 7) Sie benutzen, welcher Browser (zum Beispiel Firefox 3.6) im Einsatz ist und noch ein paar Infos mehr.

Das können Sie hier ausprobieren: dnstools.ch

Mit diesen für sich genommen nicht sehr persönlichen Informationen, kann man leicht einen eindeutigen “Fingerabdruck” Ihres PCs erstellen und ihn so wiedererkennen.

Cookies – Nahrung für die Datensammler

Cookies sind Daten, die eine Webpage, die Sie besuchen, auf Ihrem Computer speichern kann. Damit können Sie bei einem weiteren Besuch der Seite wiedererkannt werden und müssen sich z.B. an einem Forum nicht wieder neu anmelden oder Ihr vorher angelegter Warenkorb in einem Webshop kann Ihnen wieder angezeigt werden, auch wenn Sie noch gar kein Konto dort eröffnet haben.

Auch von Webseiten eingeblendete Informationen, wie z.B. Werbebanner, können Cookies auf Ihrem lokalen PC setzen und wieder auslesen. Damit sind die Werbeanbieter in der Lage, Ihr Bewegungsprofil von allen angeschlossenen Werbepartner-Webseiten zu erstellen, auf denen Sie sich bewegen.

Der allgegenwärtige Adobe-Flashplayer hat darüber hinaus noch seine eigene Cookie-Verwaltung, sogenannte Flash-Cookies. Diese können unter anderem auch dazu verwendet werden, vom Surfer gelöschte ‘normale’ HTTP-Cookies wiederherzustellen.

Wenn Sie sehen möchten, welche Cookies auf Ihrem PC von der Webseite, auf der Sie gerade surfen gespeichert sind, schauen Sie sich das Bookmarklet “viewcookies” an: Einfach per Drag&Drop in den Bookmark-Bereich Ihres Browsers ziehen.

Sie und Ihr Internetprovider – eine Vertrauensbeziehung?

Der Anbieter, der Ihren Zugang ins Internet bereitstellt (Internetprovider, ISP), kann Ihre Bewegungsdaten – also wann Sie wie lange welche Internetseiten besucht haben – theoretisch vollständig verfolgen und speichern.

Ausserdem kann Ihr E-Mail-Verkehr protokolliert werden. Dies ist auch problemlos samt Inhalt möglich, denn E-Mails werden grösstenteils unverschlüsselt versandt.

Seit Jahren findet eine Diskussion darüber statt, ob der Provider verpflichtet ist, bestimmte teilnehmerbezogene Daten zu speichern und lange aufzubewahren – oder ob er sie aus Datenschutzgründen unverzüglich zu löschen hat. Das Stichwort dazu: Vorratsdatenspeicherung.

Spannend ist auch der “Fall Holger Voss“, der vor einigen Jahren durch die Fachforen ging. Gegen Voss wurde aufgrund eines Beitrags in einem Internetforum wegen “Billigung von Mord” ein Strafbefehl über 1500 EUR erlassen. In Wirklichkeit war es deutlich erkennbar eine sarkastisch gefärbte Meinungsäusserung zum Afghanistan-Krieg. Sein Internetprovider hatte entgegen geltenden Datenschutzbestimmungen die Verbindungsdaten erfasst und zum Nachweis der Autorenschaft der fraglichen Meinungsäusserung verfügbar gemacht.

Der History-Hack – oder wo Sie schon mal waren

Jedem ist bekannt, dass Links, die man auf einer Seite schon besucht hat, oft farbig anders markiert sind, als Links, die noch nicht angeklickt wurden. Mittels Trial and Error kann eine Webseite nun ausprobieren, welche Links in Ihrer Browser-History gespeichert sind.

Diese Livedemos versuchen herauszufinden, was in Ihrer Browserhistory gespeichert ist:

ha.ckers.org/weird/CSS-history-hack

startpanic.com

Und ein bisschen weniger Inhaltsneutral:

didyouwatchporn.com

Gefällt Ihnen der Facebook-Button?

Relativ neu ist Facebooks “Like”- bzw. “Gefällt mir”-Button. Dieser ist vor kurzer Zeit ausgebrochen und hat seinen Weg von der Facebook-Seite in die weite Welt des Internets genommen. Dadurch können Sie Ihrem Facebook-Netzwerk nicht nur per Knopfdruck mitteilen, welche Facebook-Inhalte Sie mögen, sondern überhaupt, für welche Webseiten Sie sich begeistern. Webseitenbetreiber integrieren ihn deshalb sehr bereitwillig in ihr Internetangebot.

Der Haken: Auch wenn Sie den Button nicht drücken, kann Facebook feststellen, welche Seiten Sie besuchen. Die Tatsache, dass Sie bei Facebook angemeldet sind und ein Stück Facebook-Code in die Seite integriert wurde, die Sie gerade besuchen, reicht dazu aus.

Fazit

All die hier aufgezählten Informationen entstehen, ohne dass Sie während Ihrer Surfsession nur einmal irgendwo aktiv persönliche Daten von sich preisgegeben haben. Das wäre der nächste Schritt der Betrachtungen.

Deutlich wird aber, dass zwar jedes einzelne Datum für sich genommen, sagen wir Ihre Bildschirmauflösung oder irgendein Cookie, wenig Anlass geben, sich Gedanken zu machen. Nachdenken sollte man indes über die Summe der Daten, die entstehen, für welche Zwecke sie ausgenutzt werden können und ob es Situationen gibt, wo man ggf. seine Privatsphäre etwas besser schützen möchte.

You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

2 Comments »

 
 

Leave a Reply

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>


nine − = five